Information zu Tattoos online

Es ist ja so eine Sache mit diesem Internet.
Die Antworten auf unsere Fragen sind nur ein paar Klicks entfernt – meistens. Man kann also unglaublich schnell die ein oder andere wertvolle Information zu Tattoos bekommen, wenn man an der richtigen Stelle sucht.

Du merkst schon…das mit der richtigen Stelle ist entscheidend. Ist wie mit dem Autoschlüssel. Wenn der im Kühlschrank liegt, hilft das beste Schlüsselbrett nix. Wer allerdings aus freien Stücken zuerst im Kühlschrank nachguckt, sollte entweder über eine Auszeit vom Alltagsstress nachdenken oder hat das Prinzip nicht verstanden.

Fluch und Segen

Menschen fragen „das Internet“ in so ziemlich jeder Lebenssituation um Rat. Jeder, der schon mal nach Krankheitssymptomen gegoogelt hat, darf sich schuldig und angesprochen fühlen (ich eingeschlossen). Da aber am anderen Ende deiner Highspeed-Datenleitung nicht nur absolute Koryphäen ihres Fachgebiets sitzen, sondern auch haufenweise selbsternannte Fachleute mit Profilneurose, wird man von einer Menge ungefilterter Information erschlagen und du musst für dich selbst auswählen, welcher davon du Glauben schenken möchtest.

Doofe Situation, zumindest für den Fragesteller. Wenn ich nun diesen feinen Vergleich auf mein Berufsfeld übertrage, ergibt sich folgende Situation:

Lieschen Müller* möchte sich tätowieren lassen.
Und weil sie Tattoos bisher vielleicht nur von Weitem und aus dem Privatfernsehen kennt, fragt sie dort um Rat, wo sie sich unter Gleichgesinnten wähnt. Bei Facebook.
Denn der Weg in ein Tattoostudio – über Email, Telefon, private Nachricht im Messenger, Whatsapp oder gar persönlich – wäre so, wie den Schlüssel am Schlüsselbrett zu suchen.
Und siehe da: viele hilfreiche Menschen stehen ihr sofort mit Ratschlägen und Information zum Thema zur Seite. Diese unterscheiden sich zum Teil himmelweit, widersprechen sich oder sind schlichtweg schlecht formuliert, so dass Lieschen nach dem einzigen Kriterium entscheidet, das ihr bleibt. – Sympathie.

Kein Fleck auf dem Sofapolster

Ich verstehe das ja ein winzigkleines bißchen. Wir alle möchten eigentlich tief in unserem Inneren ganz bestimmte Antworten auf die Fragen hören, die wir so stellen. Denn wenn es mir um reine Information geht, kann ich ganz einfach recherchieren. Wenn ich aber andere Personen frage, liefere ich mich ihrem Wissen und ihrem Erfahrungsschatz aus.

Ginge es nun um das beste Autohaus vor Ort, die Frage wie ich einen Fleck aus dem Sofapolster bekomme oder ob der Bäcker im Dorf am Sonntag geöffnet hat, wären die Konsequenzen ja relativ überschaubar. In meinem Fall geht es aber um Tätowierungen.
Ich wiederhole es mantraartig und du darfst mich dafür gerne ein bißchen nervig finden, aber Tattoos sind ein Eingriff in deine körperliche Unversehrtheit. Sie erfordern Vorbereitung, Beratung und Nachsorge vom Profi. Denn was einmal drauf ist geht nur unter recht komplizierten, schmerzhaften und mitunter auch kostspieligen Bedingungen wieder weg – wenn überhaupt.

Ich lese bei solchen Fragestellungen gerne mal mit, um nicht beim Kopfschütteln aus der Übung zu kommen. Die Masse an gefährlichem Halbwissen und Unfug, die dort verbreitet wird, ist kaum zu übertreffen. Und obwohl ich nicht müsste, wahrscheinlich gerade sowas wie Freizeit habe und in 98% der Fälle daraus auch kein Geschäftsumsatz für mich entsteht, rate ich den Fragestellern trotzdem immer wieder:
Fragt dort nach, wo es passieren soll. Im Tattoostudio, bei einem Tätowierer eures Vertrauens!

Beratung gehört dazu

Inwiefern es Lieschen Müller weiterhelfen wird, dass jemand für sein „kleines“ Tattoo nur 60€ bezahlt hat, dass es überhaupt nicht weh tat auf dem Rippenbogen, dafür aber auf dem Oberschenkel ganz schlimm, dass ihr gewünschtes Motiv auch ein blinder Affe stechen könnte und es auf keinen Fall länger als zehn Minuten dauern kann, oder dass Person XY der Meinung ist alle Tattoostudios seien viel zu teuer, kann ich nicht beurteilen.

Was ich dagegen beurteilen kann, ist dass die Aufgabe zu beraten und aufzuklären definitiv am besten von einem Profi erledigt wird. Beratung und Information des Kunden gehört zum Berufsalltag eines Tätowierers. Auch hier trennt sich schnell die Spreu vom Weizen, weshalb Lieschen vielleicht nicht ein Tattoostudio anschaut, sondern zwei oder drei…bis sie mit dem Gesamteindruck zufrieden ist.

Die Menge an Infos mag überwältigend erscheinen, wichtig ist es, alles Irrelevante herauszufiltern. Wenn ich meinen Schlüssel suche, dann stelle ich nicht die Wohnung auf den Kopf, sondern schaue am Schlüsselbrett.

Ist das nicht von Erfolg gekrönt, frage ich mich: Wann hatte ich den verdammten Schlüssel zuletzt in der Hand?

 

*Person ist frei erfunden.