Slutshaming und Aftercare – Fakten zur Tattoopflege

Warum ist Tattoopflege so wichtig?

Ein Tattoo ist erstmal eine offene Wunde.
Anders als ein aufgeschürftes Knie oder einen Kratzer solltest du es wirklich penibel versorgen und für eine komplikationslose Wundheilung sorgen. Mit guter Tattoopflege verringerst du das Risiko einer Infektion, minimierst den Bedarf für Nacharbeit, falls die überhaupt nötig wird, und kannst dich hinterher den Rest deines Lebens an deinem gut verheilten Tattoo erfreuen.
„Pflegeschlampen“ sind keine Fachkräfte aus dem medizinischen Bereich, sondern unliebsame Tattookunden, die ihren frischen Hautkunstwerken nicht genügend Aufmerksamkeit und Pflege ( = Aftercare) schenken.

Es liegt an dir, wie die Heilung verläuft

Gute Vorbereitung auf den Termin und ordentliche Tattoopflege hinterher sind das A und O für deinen neuen Körperschmuck. Wer hier schludert oder meint es sei doch bisher „immer gut gegangen“ verhält sich grob fahrlässig und verwirkt das Recht, sich später über das Ergebnis zu beschweren. Denn sobald du das Studio verlässt, liegt es in deiner Hand, wie die Wundheilung verläuft.
Dein Tätowierer wird dir Tipps geben, wie du am besten vorgehst.

Ich lasse die meisten Tattoos für die ersten 5 Tage unter einer Wundfolie heilen. Seit einigen Jahren findet sie immer häufiger auch in der Tattoobranche Anwendung. Ursprünglich für den medizinischen Bereich entwickelt hat diese Folie den Vorteil, dass außer Sauerstoff nichts von außen in die Wunde gelangen kann. Zudem musst du die Tätowierung nicht eincremen, was auch schon im Vorfeld viele Fehlerquellen ausschließt.
Ja, du weißt es natürlich besser, aber ich habe ungefähr schon ALLES erlebt wenn es darum geht was Leute auf ihr frisches Tattoo schmieren… (Bratfett, Öl, Gleitcreme, Margarine, Vaseline – noch fragen?!)

Ich meine das niemals persönlich, aber für mich ist diese Wundfolie eine große Erleichterung, da sie beiden Seiten eine gewisse Sicherheit für die erste kritische Phase verspricht.
Solltest du Probleme mit einer Kontakt- oder Pflasterallergie oder ähnlichem haben, sprich deinen Tätowierer unbedingt darauf an, wenn er nicht von selbst nachfragt.

Die beste Pflegecreme

Jeder Tätowierer und Kunde hat da wahrscheinlich seine eigene Meinung. Es gibt nicht für alle Menschen die eine perfekte Lösung zur Tattoopflege. Ich persönlich rate zum Beispiel von Bepanthen auf frischen Tattoos ab, da ich die Erfahrung gemacht habe, dass die fettige Konsistenz nicht unbedingt förderlich bei der Heilung ist. Lotionen sind da wiederum ein anderes Thema. Ich empfehle dir gern eine spezielle Aftercare für die Zeit nachdem du die Folie entfernt hast.
Deine Tätowierung ist nun oberflächlich geschlossen, aber noch nicht vollständig verheilt. Die Haut wird etwas trockener sein, da durch die Wundfolie Feuchtigkeit absorbiert wurde, deshalb braucht sie noch eine Extraportion Liebe in Form einer guten Pflegecreme.

Mittlerweile gibt es sowas auch schon in der Drogerie, allerdings rate ich auch hier dazu, nicht am falschen Ende zu sparen. Es kann super funktionieren, muss es aber nicht. Lieber gebe ich ein paar Euro mehr für eine hochwertige Pflege aus, als mir mein neues Tattoo zu versauen. Tattoomed ist da eigentlich immer eine gute Wahl (…nein, ich bekomme leider kein Geld von denen).
Wenn ich dir etwas empfehle, dann einzig und allein aus dem Grund, dass ich selbst damit gute Erfahrungen gemacht habe. Wenn ich etwas nicht kenne, sage ich das ehrlich, schaue es mir aber gerne an und sage dir, was ich davon halte.

Du investierst Zeit, Geld und ein paar Schmerzen in dein neues Tattoo – es wäre ziemlich dumm, danach an der Pflege zu sparen.

Bestimmte Dinge sollten eigentlich klar sein, aber trotzdem muss ich sie immer wiederholen:
Sauna, Solarium, Badewanne und Baggersee sind absolut Tabu wenn man frisch tätowiert wurde.
Kratzen, knibbeln und das Berühren der frischen Tätowierung mit ungewaschenen Fingern sind ebenfalls nicht erlaubt.
Vaseline ist keine Wundpflege.
Wenn Fragen oder Probleme auftauchen, ist es sinnvoll zuerst den Tätowierer zu fragen anstatt Doktor Google, den Typen vom Kiosk oder den besten Kumpel.
Aber auch später ist gute Tattoopflege immer noch entscheidend für die Langlebigkeit deiner Tätowierungen. Dazu gehört unter anderem die Verwendung von Sonnencreme, da regelmäßiges Sonnenbaden die Farben schneller verblassen lässt.

Während der Heilungsphase benötigt dein Körper Zeit und Energie um die entstandene Wunde zu verschließen. Eine gesunde Ernährung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr schaden nie, sind aber jetzt besonders hilfreich. Das beginnt schon vor der Tattoositzung, denn je fitter und ausgeruhter du zum Termin erscheinst, desto besser und schmerzärmer wird er verlaufen.
Wer vorher ausgeschlafen ist, genug isst und trinkt und auf seinen Körper achtet, wird während der Sitzung nicht so schnell Gefahr laufen dass Haut oder Kreislauf nicht mehr mitspielen wollen.

Die Einstellung es sei doch „bloß ein Tattoo“ ist leider weder lässig noch klug. Jede Baustelle die dein Körper versorgen muss, sei es nun ein Muskelfaserriss, ein Erschöpfungszustand weil man vor der Sitzung auf die glorreiche Idee gekommen ist nach X Jahren wieder mit Sport anzufangen, eine nicht auskurierte Erkältung oder permanenter Stress, Schlafmangel und schlechte Ernährung verzögert den Heilungsprozess.

Aber bei meinem Kumpel…

Es muss ja nicht immer gleich eine Blutvergiftung sein.
Mir persönlich würde es schon ausreichen, wenn mein Tattoo nach dem abheilen einfach nicht gut aussieht. Das ganze hat auch etwas damit zu tun, ob man die Arbeit wertschätzt, die der jeweilige Tattookünstler in dein Motiv gesteckt hat. Wir alle beraten unsere Kunden auf Grundlage unserer Berufserfahrung. Wir denken uns das nicht aus um dich zu ärgern.

Dein Kumpel war direkt nach dem Tattootermin im Strandurlaub? Schön für ihn.
Du bist nicht dein Kumpel.
Hör auf deinen Tätowierer, achte auf deine Gesundheit und freu dich später lange an deinem gut gepflegten Tattoo.